French-Open: Eine Chinesin schreibt Geschichte

Was für ein Finale, meine Lieben, was für ein Finale. Gebannt saß ich vorm Fernseher, um mir die Live-Übertragung zu Gemüte zu ziehen. Und es war wahrlich kein  Fehler, den Nachmittag mit einem Tennis-Match zu verbringen. Was gezeigt wurde war tolles Tennis. Ein Match voller Emotionen, voller Freude und voller Hoffen und Bangen. Für alle, die sich dieses geschichtsträchtige Match nicht ansehen konnten, habe ich fleißig mitgeschrieben, um euch hier eine detaillierte Zusammenfassung geben zu können.

Mittlerweile dürfte es allgemein bekannt sein, dass im besagten Finale der French-Open Titelverteidigerin Francesca Schiavone (WRL 5) auf die Chinesin Na Li (WRL 7) traf. Die beiden Kontrahentinnen trafen zuvor schon vier mal aufeinander; die Bilanz war mit 2:2 ausgeglichen. Von den vier Begegnungen fand lediglich die zweite auf Sand statt. Schiavone siegte damals. Dass es im Laufe des heutigen Finals anders kommen sollte, ahnte vor Matchbeginn kaum jemand. Die Sympathien der Zuschauer auf den Ränken des Courts „Suzanne Lenglen“ waren klar verteilt: Die Mehrheit wollte die Titelverteidigerin erneut siegen sehen. Gelang es in der Geschichte des Tuniers bisher doch lediglich fünf Spielerinnen, in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu siegen. Dies waren  zum Beispiel Steffi Graf, Monica Seles und Justine Henin. Im Falle einer Titelverteidigung wäre Francesca Schiavone also die fünfte in dieser fast schon royalen Liste gewesen. Auch hätte sie die E rste 30 Jährige seit Martina Navratilova 1990 in Wimbledon gewesen, der es gelang, ein Major zu gewinnen.

Doch auch im chinesischen Lager befand man sich in der komfortablen Lage, Geschichte schreiben zu können. Im Falle eines Sieges nämlich wäre Na Li nicht nur die erste Finalteilnehmerin (erstmalig bei den Australian-Open 2011), sondern auch die erste Grand-Slam-Siegerin gewesen, die aus China bzw. aus Asien kommt. Des weiteren rückt die 29 Jährige Chinesin auf Platz vier der Weltrangliste vor – so hoch wie noch nie eine Chinesin oder auch nur Asiatin vor ihr. Dies wäre allerdings auch bei einer Final-Niederlage der Fall gewesen.

Bevor ich zum ersten Satz komme, hier ein paar Fakten betrefflich der Finalistinnen:

Francesca Schiavone

Na Li

Nationalität

Italienisch

Chinesisch

Aktuelle Weltranglistenposition

5

7

Alter

30 Jahre

29 Jahre

Größe

1,66 m

1,72 m

Gewicht

64 kg

65 kg

Größte Erfolge der aktuellen Saison

–         Sieg in Sydney

–         Finalteilnehmerin der Australian-Open

–         Halbfinalteilnehmerin in Brüssel

Der erste Satz… Den allerersten Punkt im ersten Spiel konnte die Italienerin  bei eigenem Aufschlag für sich gewinnen. Nachdem ihre Gegnerin, Na Li, dann aber die Chance auf ein Break hatte, ließ Schiavone dies nicht zu, sondern entschied das erste Spiel für sich. In den nächsten drei Spielen lief es sehr aufschlagspezifisch ab, was heißt, dass immer die Spielerin, die Aufschlag hatte, auch das Spiel für sich entscheiden konnte. Beeindruckend war schon in jener frühen Phase des ersten Satzes die Beinarbeit der Chinesin. Li lief jedem Ball nach und schaffte es, selbst unmöglich scheinende Bäller mit einer scharfen Präzision zurückzuspielen. So kam es, dass der Chinesin im fünften Spiel des ersten Satzes das Break zum 3:2 gelang. Zu diesem Zeitpunkt waren der Chinesin schon 10 direkte Punktgewinne geglückt. Auffälligerweise war es Li, die das Tempo im ersten Satz vorgab und die Initiative ergriff. Schiavone wirkte schon von Beginn an, als fände sie keinen wirklichen Zugang ins Match. Die Italienerin kam scheinbar nicht mit den harten Bällen ihrer Gegnerin und noch weniger mit dem ihr aufgezwungenen Spiel klar. Es war an ihr, einen Ausweg aus der Misere zu finden, wenn sie als Siegerin nach Hause gehen wollte. Sie fand keinen. Zwar konnte Schiavone sich noch etwas an ihre Gegnerin heranpirschen. Trotzdem machte diese den ersten Satz mit 6:4 zu.

Der zweite Satz… sah da schon wieder ganz anders aus. Der erste Punkt des ersten Spiels ging an Na Li. Auch das erste Spiel an sich konnte sie durch ein Break für sich entscheiden. Besonders aufregend in dieser frühen Phase des zweiten Satzes war der Moment, in dem es zum bisher längsten Ballwechsel des Matches kam. Es handelte sich um eine Breakchance Schiavones im 2. Spiel, die jedoch von Li zunichte gemacht wurde. Half nichts, denn das zweite Spiel ging an die Italienerin. Trotz einiger toll gespielter Bälle bekam der Zuschauer aber auch hier das Gefühl, Schiavone wäre immer noch nicht ins Spiel gekommen. Sie versuchte zwar das Tempo aus Li’s Spiel zu nehmen. Es blieb aber bei dem Versuch. Li indess schaffte es, Schiavones Spiel zu kopieren und konnte ihre Gegnerin daher sozusagen mit ihren eigenen Waffen schlagen. Nachdem Li schon einen Vorsprung von 4:2 innehatte, fing Schiavone sich plötzlich und setzte zur Aufholjagd an. Mit Erfolg. Der Höhenflug der Italienerin ging so weit, dass sie es auf einmal war, die mit 4:5 die Führung übernahm. Im zehnten Spiel setzte sie sogar zum Satzgewinn an, was Li tunlichst unterbindete. Sie schaffte es, wieder auf 5:5 heranzukommen. Nach einigem Hin und Her war im elften Spiel des zweiten Satzes wieder die Na Li da, die man in den ersten eineinhalb Sätzen kennen und schätzen gelernt hatte. Sie war wieder da, diese fast schon mechanisch anmutende Präzäsion und diese Leichtigkeit, die die Chinesin ausstrahlte. Doch auch Schiavone kämpfte wie ein Raubtier um die Verteidigung ihres im Vorjahr gewonnenen Titels. Der Wendepunkt in Schiavones Spiel kam, als Li einen Ball spielte, den Schiavone Außen gesehen hatte. Die Schiedsrichterin, eine junge Niederländerin, jedoch befand den Ball für gültig, da sie ihn auf der Linie gesehen hatte. Was folgte war eine hitzige Diskussion. Immerhin ging es für die Italienerin um einen Satzball. Li gewann nach dem kleinen Disput ein weiteres Spiel, verkürzte auf 6:6 und ermöglichte dadurch den Tie-Break im zweiten Satz.

Der Tie-Break… lief mehr als gut für die Chinesin. Schiavone vergab hier und da Bälle, lief sie nicht richtig aus oder verwendete eine fehlerbehaftete Technik. Na Li gewann diese letzte Challenge durch einen Ball Schiavones, den diese ins Aus spielte. 7:0 im Tie-Break für die Chinesin. Außer sich vor Freude ließ sie sich in die rote Asche von Roland-Garros fallen und konnte es kaum glauben: Sie war die neue Königin von Paris! Die erste Chinesin bzw. Asiatin überhaupt, der ein Triumph bei einem Grand-Slam gelang! Sie hatte Geschichte geschrieben! Sie würde für immer in den Sport-Geschichtsbüchern stehen!

Endergebnis: 6:4 7:6 (7:0)

Die Siegerehrung… war eine sehr emotionale Angelegenheit. Während die Zweitplatzierte, Francesca Schiavone, gefasst und nicht allzu enttäuscht schien, nahm Na Li ihre Trophäe nur zögerlich entgegen. Fast schon schüchtern gratulierte sie der Verliererin aus Italien und bedankte sich bei den Sponsoren, dem Tunierdirektor, den Ballkindern, den Schieds- und Linienrichtern, ihrer Box und natürlich dem Publikum.

Wie man am heutigen Tage gesehen hat, werden Märchen manchmal halt doch war. Was sagt ihr zu dem Verlauf der French-Open, die in diesem Jahr übrigens zum nunmehr 110. Mal ausgetragen wurden? Und wie fandet ihr das diesjährige Finale?

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern noch einen schönen Abend. Und der Siegerin des heutigen Tages möchte ich alle nur erdenklichen Glückwünsche ausrichten.

Eure MissWTA

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